Monteverdi Vespers: Never has there been such a sound in the Cathedral.
Salzburger Nachrichten by Karl Harb, 21 July 2014

The only question that remains: can there be anything greater after this stunning performance?

An indescribable miracle happened…Not a regular musical performance, but only an overwhelming magical whirring of countless vocal lines, criss-crossed, fulfilled and floating in perfect harmony...Salzburg experienced a divine hour.

You can read the original article in German below:

Am Ende, nachdem das "Magnificat" (Meine Seele preist den Herrn) alle Stadien sich steigernder Klangentfaltung durchmessen hat, ruft der Tenor das Gloria des obligaten Schlussverses der kleinen Doxologie, "Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto", mit strahlender Stimme von der Vierung in den Raum. Von der Westempore antwortet ihm ein Echotenor. Und nach und nach fallen, in immer reicheren Figurationen, alle Stimmen ein: die Instrumente, die Solisten, der Hauptchor und - unsichtbar im Altarraum - die Stimmen des Kinderchors. Ein unbeschreibliches Wunder ereignet sich: So hat der Salzburger Dom wohl noch nie gesungen und geklungen. Nicht mehr "Musik" ist zu erleben, sondern nur noch ein überwältigender, sozusagen himmlisch entmaterialisierter, magisch flirrender, von unzähligen Stimmlinien durchzogener und erfüllter und in vollendeter Harmonie schwebender Klangraum.
Nach hundert Minuten, die zu den denkwürdigsten der Salzburger Festspiele seit Jahren gezählt werden müssen, entlädt sich die spürbare Anspannung in brausenden Jubel und Standing Ovations. Erschöpft und wohl auch glücklich nimmt John Eliot Gardiner den Beifall entgegen, leitet ihn weiter an den glockenrein famosen Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor, an die Gruppe der aus dem eigenen Monteverdi Choir tretenden, überwältigend präsenten und mit Vokalfarben sonder Zahl spielenden Solisten, auf "seinen" Chor, der diese "Marienvesper" seines Namensgebers zum singulären, so wohl nicht überbietbaren Ereignis werden ließ, und die wundersam flexiblen English Baroque Soloists.

Lebhaft wechselnde "Klangrede"
Er hätte auch den Dom sich verbeugen lassen müssen, denn die Aufführung wirkte, als hätte Monteverdi sein Werk diesem Raum, seiner Aura und seinem Hall, selbst einkomponiert. Das Werk selbst, aus 1610, ist in der Abfolge von Psalmen, Motetten, Sonaten und Concerti ein Klangtheater von magisch "bühnenwirksamer" und zugleich spiritueller Energie. Gardiner positionierte nicht nur Orchester und Chor zentral auf dem Podium, sondern ließ sie auch in lebhaft wechselnder "Klangrede" und immer neu formierter Aufstellung Stimm- und Instrumentalverschmelzungen ausprobieren, die sensationelle Klangmischungen und Ausdrucksfacetten ergaben. Die Dynamik spielte ebenso vollendet mit dem Raum, wie der wortbezogene Ausdruck den liturgisch-religiösen Sinn plastisch zur Geltung brachte.
Man konnte sich nicht satthören an den Varianten, die Gardiner und seinen Musikern einfielen. Immer wieder schickte er Solisten aus: auf die Vierungsemporen, in den Altarraum, auf die hohen Seitenbalkone. Zunächst den Tenor, dann zwei ätherisch schwebende Soprane, dann die Seraphim, die von der Dreifaltigkeit aus höchsten Höhen Kunde geben: Vater, Sohn und Heiliger Geist, jeder hat eine Klangfloskel für sich, "und diese drei sind eins": Allein wie kunstvoll Monteverdi dieses In-Eins-Führen auf einen Liegeton hin orientiert, der "einsam" und doch dreieinig erfüllt in den Raum geschickt wird, ist ein genialer Effekt.
Jedes Bild dieser marianischen Huldigung, von der schlichten Gebetsanrufung bis zum dutzendfach gestaffelten Jubel: Es hatte nie erlebte Strahlkraft. Der Monteverdi Choir (jetzt wissen wir wirklich, warum er so heißt) feiert mit der "Marienvesper" sein 50-Jahr-Jubiläum. Vollendeter, aber gottlob auch vitaler und wundervoller kann man das nicht begehen. Salzburg erlebte eine Sternstunde.

Read on Salzburger Nachrichten 's website

Read more reviews on:

OVB Online:
http://www.ovb-online.de/kultur-tv/rausch-perfektion-3717007.html

Drehpunkt Kultur
http://www.drehpunktkultur.at/index.php/festspiele/7495-im-rausch-des-geistlichen-fruehbarock